Der Iran steht im Fadenkreuz der geopolitischen Machtspiele – als letzter großer Akteur im Nahen Osten, der sich westlicher Vorherrschaft konsequent entzieht. Unter dem Vorwand von Menschenrechten und Atomvorwürfen bauen USA und Israel seit Jahrzehnten politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Iran auf. Doch hinter der offiziellen Rhetorik geht es um weit mehr: um Energie, Souveränität und die Frage, wer im Nahen Osten künftig bestimmt – Gehorsam oder Widerstand.
Ein Gastkommentar von Annarita Menegus
Menschenrechte und Atomlüge als politischer Vorwand
Der Iran ist der nächste und im Nahen Osten der letzte große Spieler, der attackiert wird. Unter dem Vorwand von Menschenrechtsverletzungen und vermeintlicher atomarer Waffen, die der Iran haben soll oder zumindest beabsichtigt zu entwickeln, wird seit Jahrzehnten seitens der USA und Israel harter politischer Druck ausgeübt und immer wieder militärische Operationen ausgeführt. Internationale Überprüfungen und Geheimdienstanalysen haben indes gezeigt, dass der Iran in Wirklichkeit keine Atomwaffen besitzt und auch kein aktives, voll entwickeltes Atomwaffenprogramm betreibt. Bestätigung dafür kam beispielsweise vom Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation. Dieser betonte sogar, dass der Iran nicht nur über keinerlei Atomwaffen verfüge, sondern weder dabei sei welche zu entwickeln noch jemals welche gebaut hätte. Trotz dieser offensichtlichen und bekannten Faktenlage wurden die haltlosen Vorwürfe als politischer Vorwand instrumentalisiert, um massiven militärischen Druck, Aktionen und auch Angriffe zu rechtfertigen, obwohl es keinerlei Belege weder für den Besitz noch die Entwicklung von funktionierenden oder nicht funktionierenden Atomwaffen im Iran gibt.
Die eigentlichen Gründe: Widerstandsfront und regionale Machtbalance
Der Iran ist aber aus anderen Gründen für die globalen Spieler USA und Israel von großem Interesse: die einen fürchten eine existenzielle, militärische Gefahr vor allem hinsichtlich der verbündeten Milizen im Libanon, in Yemen und in Palästina. Der Iran gilt als Unterstützer der Widerstandsfront im Nahen Osten, er stärkt die Hamas, Hisbollah und auch die Houthis nicht nur politisch, sondern auch finanziell und militärisch, gegen gemeinsame Ziele wie Israel und westlichen Einfluss.
Energie, Geostrategie und die Angst vor billigen Ressourcen
Auf der anderen Seite des Ozeans hingegen werden aber zusätzlich größere geostrategische Interessen im Nahen Osten verfolgt. Neben der strategischen Lage des Iran zwischen dem Persischen Golf und Zentralasien, einem Brennpunkt für Energie und Handel, hat der Iran eine der größten Erdgasreserven der Welt und sehr große Erdölreserven, die allesamt sowohl rechtlich als auch politisch in der Hand des Staates liegen – weder bei privaten Unternehmen noch bei ausländischen Konzernen.
Alleine der iranische Staat, vielmehr das Ministerium für Erdöl, entscheidet über Exploration, Förderung und Export von Öl und Gas. Laut der iranischen Verfassung sind alle natürlichen Ressourcen, einschließlich Erdöl und Erdgas, in Volkseigentum. Deren Verwaltung und Kontrolle liegt beim iranischen Staat.
Iran könnte auf lange Sicht ein zentraler Energielieferant werden sowohl für Asien als auch für Europa. Das ist aber nicht im Interesse der Gegenspieler – die Preise müssen hoch bleiben, die Energie knapp, und andere Produzenten davon profitieren, allen voran die USA und Saudi-Arabien. Europa bleibt somit energiepolitisch von den USA abhängig. Die Isolation des Iran sorgt dafür, dass weniger billige Energie auf den Weltmarkt kommt und die Vereinigten Staaten als Lieferant und an Macht gewinnen.
Der lange Weg zur Fremdherrschaft: Pahlavi-Dynastie und westlicher Einfluss
Aus diesen Gründen ist die Islamische Revolution ein Dorn im Auge der vorgenannten Mächte. Man hatte mit dem Einsatz der Pahlavi-Dynastie versucht, Macht im Iran zu gewinnen. Durch einen Putsch 1921 ersetzte man mit britischer Einflussnahme den rechtmäßigen damaligen Kadscharen-Schah durch Reza Schah Pahlavi. Durch ihn kam es einerseits zu einer massiven Modernisierung in allen Bereichen. Gleichzeitig gab es aber eine immense Unterdrückung politischer Gegner.
Während des Zweiten Weltkrieges befürchteten die Alliierten, allen voran die Briten, dass Reza Schah die Deutschen unterstützen würde. Ein unsicherer, potenziell deutschfreundlicher Iran war ein Risiko für die Versorgung der Alliierten. Und so zwangen sie gemeinsam mit den Sowjets Reza Schah 1941 zum Rücktritt. Unter starker Kontrolle dieser Akteure übernahm sein Sohn Mohammad Reza Schah die Führung Irans bis zur Islamischen Revolution 1979.
Mossadegh, Ölverstaatlichung und der CIA-MI6-Putsch von 1953
Auch die Regierungszeit seines Sohnes ist überschattet: Durch die Wahl von Mohammad Mossadegh zum Premierminister des Iran im Jahre 1951 kam es zu einem entscheidenden Moment in der iranischen Geschichte. Mossadegh verstaatlichte die Ölindustrie, die davor unter britischer Führung stand. Das Parlament gewann an Kraft, der Schah verlor zunehmend Macht über Polizei und Militär.
Handels- und Ölblockaden folgten, die USA befürchteten eine Annäherung an die Sowjets. CIA und MI6 arbeiteten zusammen, um Mossadegh zu stürzen. Im Juni 1953 kam es zu manipulierten Massenprotesten in Teheran. Der Putsch gelang, Mossadegh wurde verhaftet und blieb bis zu seinem Tod 1967 in Haft.
Diktatur, SAVAK und die Eskalation zum Volksaufstand
Der von außen gesteuerte Schah regierte fortan autoritär. Opposition und Meinungsfreiheit wurden unterdrückt, während das Volk verarmte und Korruption, Inflation und Dekadenz das System prägten. Die sogenannte Weiße Revolution ab 1963 sollte das Land modernisieren und westlich ausrichten, stieß jedoch auf massive Ablehnung.
Mit dem Geheimdienst SAVAK folgten Folter, Überwachung und brutale Repression. Die Gewalt des Staates führte zu Massenradikalisierung, Generalstreiks und schließlich zum Exil des Schahs.
Die Islamische Revolution als organische Volksbewegung
Der schiitische Geistliche Ayatollah Ruhollah Khomeini, seit 1963 im Exil, wurde zur zentralen Figur der Revolution. Er vereinte breite Bevölkerungsschichten für die Errichtung eines islamischen Staates. Nach dem Sturz des Schahs kehrte Khomeini 1979 zurück und prägte die Islamische Republik Iran maßgeblich.
Heute wie damals: Proteste als Werkzeug fremder Interessen
Genau wie in den 1950er Jahren sind auch die derzeitigen Proteste von außen initiiert und gelenkt. Israel und die USA bestätigen selbst die Rolle von Mossad und CIA. Nichts ist mehr organisch, alles manipuliert. Gleichzeitig zeigen Bilder und Videos breite Unterstützung für die Regierung und Ayatollah Khamenei.
Der Westen als schlechtes Vorbild
Unabhängig von inneren Problemen stellt sich die Frage, ob das westliche Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell überhaupt ein Vorbild sein kann. Zwanghafte Einflussnahme führt weder zu Akzeptanz noch zu echter Veränderung. Europa und die USA kämpfen selbst mit Verarmung, Infrastrukturverfall, Schulden, Spaltung und Repression gegen Andersdenkende.
Souveränität oder Unterwerfung – Irans Entscheidung
Vor diesem Hintergrund ist die nationale Souveränität entscheidend. Der Iran verfügt über Ressourcen, staatliche Strukturen und militärische Kapazitäten, die ihn vor Abhängigkeit schützen. Kritiker sehen humanitäre Argumente des Westens als Vorwand für Druck und Intervention.
Es geht nicht um Menschenrechte. Es geht um Gehorsam oder Widerstand. Der Iran hat sich entschieden. Ayatollah Khomeini erklärte dazu:
„Unsere Logik, die Logik des Islam, sagt uns, dass es keine Vorherrschaft von Nicht-Iranern über Iraner geben sollte. Wir können uns keiner Vorherrschaft unterordnen.“
Wir werden sehen, ob er damit Recht hat.