Der Mythos Córdoba und das rot-weiß-rote Nationbuilding

Der Mythos Córdoba und das rot-weiß-rote Nationbuilding
Symbolbild von Info-DIREKT mit KI generiert.

Nach 1945 veränderte sich das Bewusstsein über die eigene Identität der Österreicher. Während sich zuvor noch der überwiegende Teil der Bevölkerung als Deutsche verstanden hatte, wurde nun eine eigenständige österreichische Identität aufgebaut. 

Ein Kommentar von Christoph Grubbinder aus dem aktuellen Magazin Info-DIREKT mit dem Schwerpunktthema „Reisen & Fernweh – Auf der Suche nach dem, was daheim verloren ging“

Ein wesentlicher Bestandteil davon war die bewusste Abgrenzung von Deutschland und den „Piefkes“. Dabei wirkten auch Sport und die Popkultur identitätsstiftend. Die Erfolge österreichischer Schifahrer boten eine ideale Projektionsfläche für den neuen nationalen Stolz. Ab den 1970er-Jahren trug auch der Austropop dazu bei, ein kulturell eigenständiges Österreichbild zu vermitteln.

Mythos Córdoba

Besonders wirkungsvoll war der Fußball. Bei der WM 1978 besiegte Österreich in Córdoba die bundesdeutsche Auswahl mit 3:2. Während die Niederlage für Deutschland das WM-Aus bedeutete, war das Spiel für Österreich sportlich bedeutungslos. Für das nationale Selbstverständnis jedoch war der Sieg wichtig. Córdoba entwickelte sich in der Alpenrepublik zum Mythos. Es wurde zu einem Symbol der Abgrenzung vom großen Bruder auf der anderen Seite des Inns.

Selbst die Kleidung der Nationalmannschaft erhielt schließlich eine entsprechende Symbolik: Traditionell spielte Österreich fast ein Jahrhundert lang in weißen Leibchen und schwarzen Hosen, und damit ziemlich sicher nicht unbeabsichtigt ähnlich wie Deutschland. 2002 setzte Teamchef Hans Krankl Rot-Weiß-Rot als Heimdress durch. Also jene Farbkombination, in der Krankl und Co. in Córdoba siegreich waren.

Vertiefende Infos

Mehr zu diesem Thema im aktuellen Magazin Info-DIREKT in den Beiträgen „Als das deutsche Reich zerfiel, erwachte das Volk!“ und in der neuen Serie „Musikgeschichte(n) für Patrioten. Mehr über das druckfrische Magazin: https://www.info-direkt.eu/magazin/63

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