In einem Interview mit dem „Jungeuropa Verlag“ sprach Alain de Benoist, französischer Autor, Philosoph und Vordenker der Neuen Rechten, über seine Standpunkte zum Liberalismus, zum Kapitalismus und zur Identitätspolitik. Seine Worte bieten die Gelegenheit, das Denken eines Mannes, der seit über einem halben Jahrhundert die intellektuelle Landschaft der europäischen Rechten prägt, näher kennenzulernen. (Video am Ende des Beitrags)
Im Gespräch mit Verlagsleiter Philip Stein kritisiert Alain de Benoist den Liberalismus als eine Ideologie, die die Gesellschaft in eine Sammlung isolierter Individuen verwandele und die kulturellen, kollektiven Identitäten von Menschen ignoriere. Er argumentiert, dass „der Liberalismus eine Doktrin ist, die sowohl individualistisch als auch wirtschaftlich ist“ und dass „der Mensch als ein entwurzelter, egoistischer Akteur gesehen wird, der hauptsächlich darauf abzielt, sein materielles Interesse zu maximieren“. Diese Sichtweise, so Benoist, steht im Gegensatz zu den konservativen Werten, die kulturelle und kollektive Identitäten betonen.
Liberalismus als Gefahr für unsere Freiheit
Benoist hebt hervor, dass der Liberalismus in seiner autoritären Form die individuellen Freiheiten, die er zu verteidigen vorgibt, erheblich einschränke. Er verweist auf die Einführung des Gesundheitspasses während des Corona-Wahnsinns als Beispiel dafür, wie der Liberalismus in eine Form des Autoritarismus umschlagen kann, die tief in die Privatsphäre der Menschen eingreift. Dabei betont Benoist, dass es keine persönliche Freiheit gebe, wenn die Gemeinschaft, der man angehört, nicht frei sei:
„Ich kann nicht frei sein, wenn mein Land nicht frei ist, wenn meine Kultur nicht frei ist, wenn mein Volk nicht frei ist.“
Kapitalismus-Kritik
In Bezug auf den Kapitalismus kritisiert Benoist dessen Rolle bei der Umweltzerstörung. Er streicht hervor, dass „die tiefe Ursache aller Umweltverschmutzungen und der Verschlechterung der Ökosysteme der Kapitalismus“ sei. Zudem verurteilt er die Reduzierung aller Werte auf materielle und marktwirtschaftliche Maßstäbe und warnt davor, dass der Kapitalismus die Erde in einen „Müll-Planeten“ verwandle.
Eigene Identität verteidigen
Alain de Benoists Kritik am Liberalismus und Kapitalismus sowie seine Betonung der Bedeutung kultureller und kollektiver Identitäten bieten wichtige Denkanstöße für Patrioten. Seine Ansichten fordern dazu auf, die vorherrschenden Ideologien zu hinterfragen und die Bedeutung von Tradition, Kultur und Gemeinschaft in einer zunehmend globalisierten Welt zu bewahren.
Hier das etwas mehr als 17 Minuten lange Video mit deutschen Untertiteln::
Über Alain de Benoist:
Alain de Benoist, geboren 1943 in Saint-Symphorien (heute zu Tours gehörend), studierte Verfassungsrecht, Religionswissenschaften und Philosophie. Als Kopf hinter der 1968 formierten Denkfabrik GRECE ist er Mitbegründer der französischen Nouvelle Droite (Neue Rechte).
Benoist lebt als Publizist und Philosoph in Paris. Er ist Herausgeber der traditionsreichen Buchzeitschriften Nouvelle École und Krisis, außerdem ständiger Autor des Zweimonatsmagazins éléments. Seine über 100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die wichtigsten Veröffentlichungen sind das zweibändige Opus Aus rechter Sicht und das Manifest Aufstand der Kulturen. Hervorzuheben sind des Weiteren die bei Jungeuropa vorliegenden Schlüsselwerke Kulturrevolution von rechts und Gegen den Liberalismus. Eine weitere Übersetzung durch Jungeuropa – Den Westen brechen – knüpft derweil dort an, wo das Standardwerk über den Liberalismus endet.
Alain de Benoist wirkt als Leitfigur einer gesamteuropäisch ausgerichteten Denkrichtung, deren Ziel so klar wie weitreichend scheint: die Überwindung des neo- und linksliberalen Denkens mit all seinen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Paradigmen.