Österreich und sein Militär: Was kommt auf die Jugend zu?

Österreich und sein Militär: Was kommt auf die Jugend zu?
Bild Jan Staudigl: zVg; Bildkomposition: Info-DIREKT

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges gibt es hierzulande heftige Diskussionen über die Neutralität Österreichs und den Umgang damit. Vor allem radikale Eurokraten wie die NEOS schreien förmlich nach einer Angliederung an die NATO. Man versucht, das Thema immer wieder durch Vorstöße aufzuweichen. Zum Beispiel wird darauf verwiesen, dass es sich bei Österreichs Neutralität lediglich um eine militärische und keine politische handeln würde.

Ein Gastbeitrag von Jan Staudigl, Landesjugendsekretär der „Freiheitlichen Jugend Wien“

Die FPÖ blieb ihrer Position dazu immer treu: hundertprozentige Neutralität als Schutzgarant für das Volk. Kein Ausfechten fremder Kriege, kein Blutvergießen für fremde Interessen und Profiteure. Stattdessen eine Vermittlerrolle in Konflikten. Die NATO-Eingliederung würde nichts anderes bedeuten als die endgültige Selbstaufgabe der eigenen Souveränität. Dem Großteil der Österreicher ist dies aber Gott sei Dank bewusst.

Wehrpflicht heißt nicht Kriegspflicht

Zehn von 27 EU-Mitgliedstaaten haben die Wehrpflicht, darunter Österreich mit einer Dauer von sechs Monaten. Die Wehrpflicht an sich ist ein gutes und sinnvolles Konzept, speziell in neutralen Ländern. Weniger, um den dem eigenen Volk nicht gerade wohlgesinnten Staat zu verteidigen, sondern zur Heranbildung junger Männer.

Viele Grundwehrdiener lernen in den ersten Tagen, wie man ein Bett überzieht. Sie lernen, dass dieses dann auch selbst gemacht werden muss. Sie lernen, dass man Schuhe auch putzen kann und sich die Wäsche nicht von allein wäscht. Dazu kommen der Umgang mit Pflichten, Verantwortung, Belastung und Stress.

Zusammengefasst kann man den österreichischen Grundwehrdienst als kleine Vorbereitung für das Leben betrachten und daher als Mehrwert für die Jugend. Es darf allerdings niemals so weit kommen, dass jene jungen Männer plötzlich zu einer Front fernab der Heimat abkommandiert werden. Der Grundwehrdienst soll die Jugend formen und nicht verheizen.

Der Zustand der Truppe

Ich erinnere mich sehr genau an den Tag der Ausrüstungsvergabe zu Beginn meines eigenen Grundwehrdienstes. Ein Teil dieser Ausrüstung ist das Feldmesser. Als ich es aus der Hülle zog, realisierte ich, dass ich eine völlig verrostete und stumpfe Klinge in der Hand hielt. Scherzend wies ich den Unteroffizier darauf hin, dass wir entweder das schlechteste oder das brutalste Heer weit und breit seien. Er meinte, wir seien das schlechteste Heer mit den brutalsten Sparmaßnahmen.

Wer sich übrigens schon einmal gefragt hat, warum die meisten Heeres-Pkw dunkelblau sind: Das ist die Serienfarbe und somit am billigsten.

Teure Forderungen nach Jahren des Sparens

Diese Beispiele sind das Ergebnis jahrzehntelanger Sparpolitik in der Landesverteidigung. Groteskerweise fordern jene Systempolitiker, die diese Sparmaßnahmen zu verantworten haben, heute militärische Unterstützung in alle Himmelsrichtungen – finanziell und logistisch. Beispiel Ukraine.

Kampfbereitschaft für die Republik Österreich

Nicht nur Österreich, sondern die meisten europäischen Staaten haben Probleme mit der mangelnden Wehrbereitschaft ihrer Völker. Umfragen zeigen, dass europaweit durchschnittlich weniger als dreißig Prozent der Bürger ihren Staat an der Waffe verteidigen würden. In der Jugend liegt der Schnitt weit darunter, teilweise bei fünfzehn Prozent, zum Beispiel in Deutschland.

Man kann es ihnen kaum verübeln. Die von Systemparteien gesteuerten Staaten und ihre Strippenzieher haben ihren Völkern vor allem mehr Steuern, mehr Migranten, mehr Schulden, mehr Frühsexualisierung von Kindern und mehr Repression gebracht. Einen Staat, der seine Bürger von oben bis unten existenziell, kulturell und demografisch in die Mangel nimmt, werden viele Österreicher nicht mit der Waffe verteidigen wollen. Fürsorge beruht auf Gegenseitigkeit.

Österreichs wahre Stärke liegt in der Kultur

Österreich hat das Potenzial, wieder zur Weltmacht zu werden. Allerdings nicht militärisch. Diese Zeiten sind vorbei. Die österreichische Kriegsmarine in Triest ist passé, auch wenn Beate Meinl-Reisinger diese am liebsten längst mobilisiert hätte.

Das eigene Heer sollte sich nur auf drei Dinge konzentrieren: Förderung der Jugend, Katastrophenhilfe und Landesverteidigung an beziehungsweise innerhalb der eigenen Grenzen zum Schutz der Österreicher. Die einzige Form von Auslandseinsätzen, die im Interesse Österreichs steht, sind maximal Unterstützungseinsätze für den europäischen Grenzschutz – sollte er jemals funktionieren.

Durch sein massives kulturelles Erbe in unzähligen Bereichen hat Österreich dafür das Potenzial, wieder eine kulturelle Weltmacht zu werden. Wir müssen nur aktiv an jenem Fundament aufbauen, das uns vergangene Generationen hinterlassen haben. Ein wichtiger Schritt ist die Besinnung auf die eigene Identität.

National ausgerichtet und dem Gedeihen des Eigenen gewidmet, würde sich eine solche Kultur-Weltmacht von militärischen Weltmächten unterscheiden, die auf Imperialismus und Zerstörung setzen. Die Besinnung darauf wird letztendlich zur Kraftquelle für die Jugend, da sie sich dem wahren Potenzial ihrer eigenen Herkunft bewusst wird.