Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat einen kleinen Interview-Marathon durch die „Qualitätsmedien“ hinter sich und eine „Österreich-Tour“ vor sich. Beides war wohl als Charmeoffensive gedacht, entpuppte sich aber rasch als Rohrkrepierer.
Ein Kommentar von Michael Scharfmüller
Diese Woche gab Stocker gleich mehreren Medien Interviews. Hier eine Übersicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
- Salzburger Nachrichten: „Die FPÖ will nur Zerstörung“: Kanzler Stocker geht im Interview mit Kickl hart ins Gericht
(Gesamtes Interview hinter einer Bezahlschranke versteckt.) - Die Presse: „Kanzler Stocker: „Kurz ist Unternehmer und will das auch bleiben““
(Nur die ersten beiden Fragen sind frei zu lesen. Der Rest des Interviews ist hinter einer Bezahlschranke versteckt.) - Kleine Zeitung: „Ich will eine bessere Zweite Republik“
(Gesamtes Interview hinter einer Bezahlschranke versteckt.) - OÖNachrichten: Bundeskanzler Christian Stocker: „Die FPÖ will nur die Zerstörung“
(Gesamtes Interview hinter einer Bezahlschranke versteckt.) - Der Standard: Stocker: „Was ist, wenn alles hin ist? Wollen wir eine Republik in Trümmern?“
Interviews unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Von diesen fünf großen Interviews ist nur das im Standard frei abrufbar. Die restlichen Interviews waren nur für die schrumpfende Abonnentenschaft linker „Qualitätsmedien“ abrufbar. Der Inhalt der Interviews ist jedoch nicht schwer zu erraten, wenn man das Standard-Interview gelesen hat. Der Tenor: Die ÖVP sei für nichts verantwortlich, eigentlich laufe eh alles gut und die Österreicher würden einfach unrealistische Erwartungen an die Regierung stellen. Dazu ein Stocker-Zitat aus dem OÖN-Interview:
„Die Menschen glauben, man gibt den Wunschzettel ab, und am Ende muss der Staat liefern.“
Ach ja, ein wesentlicher Punkt, der auch in jedem Interview vorkommen dürfte, ist, dass die FPÖ und Herbert Kickl gefährlich und eigennützig agieren und Österreich zerstören wollen.
Berührungsängste mit dem gemeinen Volk
Wie bereits erwähnt, fanden diese Interviews fast unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt. Mehr als ein paar Anti-FPÖ-Schlagzeilen werden von diesem kleinen Interview-Marathon deshalb wohl nicht hängen bleiben. Diese Mini-Kampagne passt damit gut zur angekündigten Österreich-Tour des schwarzen Kanzlers. Diese findet nämlich auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Stocker nennt seine Rundreise zwar „Österreich im Gespräch mit Bundeskanzler Christian Stocker“, zu den Gesprächen sind jedoch nur Menschen zugelassen, die sich vorher angemeldet haben und von einem Experten ausgewählt wurden. Dazu wird in einem Anmeldeformular sogar gefragt, wo man sich „im politischen Spektrum“ einordnen würde. Bei der Frage nach dem Geschlecht kann man übrigens zwischen männlich, weiblich, divers und keine Angabe auswählen.
Der nackte Kanzler
Diese Tour erweckt den Eindruck, dass Stocker den Kontakt zu den normalen Bürgern scheut. Mich erinnert das an Potemkinsche Dörfer und das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Der einzige Unterschied zu Stocker besteht darin, dass Katharina die Große und der Kaiser aus dem Märchen nicht belogen werden wollten. Kanzler Stocker scheint sich hingegen sogar zu wünschen, dass man ihm etwas vorspielt. Schließlich möchte er auch weiterhin gebetsmühlenartig von sich geben, dass eigentlich eh alles gut laufe, er für äußere Umstände keine Verantwortung trage, die Österreicher zu hohe Ansprüche an die Regierung stellten und die sozialen Medien sowie Herbert Kickl für die schlechte Stimmung im Land verantwortlich seien.
Angst vor kritischen Fragen
Wie groß die Angst der ÖVP vor Medien ist, die keine Regierungsinserate bekommen, durfte Info-DIREKT schon zweimal ganz direkt erleben. Hier mehr dazu:
Video: Die feige ÖVP und der Pudertanz
Hafenecker zu Info-DIREKT-Rauswurf: Massiver Angriff auf die Pressefreiheit!