Aus Wut wird Mut: Jetzt entwickeln Bauern eine Zukunftsvision

Aus Wut wird Mut: Jetzt entwickeln Bauern eine Zukunftsvision
Bild vom 2. Bauern-Gipfel: Alois Endl - www.aloisendl.net

Gestern fand in Aspach im Innviertel (OÖ) der zweite große Bauern-Gipfel von RTV und Info-DIREKT statt. Dabei wurde nicht nur über die Probleme in der Landwirtschaft gesprochen, sondern erstmals auch ganz gezielt über realistische Lösungsansätze.

Vor etwa 300 fachkundigen Besuchern nahmen vier Praktiker Platz auf der Bühne des Hotels Danzer:

Kein Interesse von ÖVP & Bauernbund

Vertreter der ÖVP und des Bauernbunds waren ebenso zum Bauerngipfel eingeladen. Anstatt den Bauern ein offenes Ohr zu schenken, feierte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sich bei einer Klimaschutz-Veranstaltung mit einigen Promis in Wien selbst. Und auch Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) meinte, sie habe keine Zeit. Beide Politiker sahen sich zudem nicht imstande, eine Vertretung nach Aspach zu senden.

Hier die Lösungsansätze, die bei der Diskussion erarbeitet wurden:

  1. Ernährungssouveränität herstellen
    Derzeit ist die Regierung nur dazu verpflichtet, die Ernährungssicherheit für Österreich zu gewährleisten. Das bedeutet, dass dazu wichtige Lebensmittel auch aus dem Ausland kommen können. Ernährungssouveränität bedeutet hingegen, dass alle wesentlichen Produkte in Österreich erzeugt werden und Österreich frei darüber verfügen kann.
  2. Gänzliche Streichung der Mehrwertsteuer auf Diesel für Land- und Forstwirte
  3. Importstopp für alle Produkte, die nicht zu heimischen Standards produziert werden
  4. Nein zum EU-Beitritt der Ukraine
  5. Verschlankung der Landwirtschaftskammer (Streichung des Wasserkopfes)
  6. Gehälter der Landwirtschaftskammermitarbeiter an den Agrarindex anpassen
  7. Bauerngelder nur für Bauern
    Ausgleichszahlungen (Förderungen) müssen bei den Bauern ankommen. Derzeit würden sehr viele Projekte mit Bauerngeldern gefördert, die mit echter Landwirtschaft nichts oder nur sehr wenig zu tun hätten. Deshalb brauche es hier Transparenz und Budgetwahrheit.
  8. Herkunftskennzeichnung
    Darüber, dass es eine solche Kennzeichnung brauche, waren sich alle Diskutanten einig. Deren Stellenwert wurde jedoch teilweise unterschiedlich bewertet. Gelten müsse die Herkunftskennzeichnung auch für Fertigprodukte und für den wichtigen Bereich der Fette, der bisher oft davon ausgenommen ist. Wenn diese Kennzeichnungspflicht nicht komme, müssten auch alle Kontrollen der heimischen Bauern eingestellt werden.
  9. Bürokratieabbau
    Die Dokumentationspflichten, die bäuerliche Betriebe erfüllen müssen, wurden als völlig praxisfern und lebensfremd bezeichnet. Hier brauche es mehr Vertrauen in die Bauern.
  10. Förderungen
    Ausgleichszahlungen (Förderungen) dürften nicht dazu führen, dass derjenige, der am meisten Grund bewirtschaftet, die meisten Gelder erhält. Der Fleiß und das Geschick eines jeden Bauern sollten über seinen Verdienst entscheiden.
  11. Rückführung zum wahren Genossenschaftssystem nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen
    Das derzeitige Raiffeisen-System sei ein „Bauernfeind“, der seine eigenen Interessen auf dem Rücken der Bauern verfolge. Durch eine Rückbesinnung auf den genossenschaftlichen Grundgedanken könnte es gelingen, dass die Bauern wieder mehr Abnehmer für ihre Produkte haben. Damit könnten sie die Preise für ihre Produkte wieder selbst bestimmen und müssten sie sich diese nicht mehr diktieren lassen.

Die hier zusammengefassten Punkte sind KEIN Forderungskatalog der Bauern, sondern eine subjektive Zusammenfassung der Diskussion von Michael Scharfmüller, der den Abend gemeinsam mit Nico Schott moderierte.

Weitere Fragen, über die auf der Bühne diskutiert wurde:

  • Wer soll die Interessen der Bauern zukünftig vertreten, um die oben genannten Punkte in die Tat umzusetzen?
  • Ist Landwirtschaft in Österreich überhaupt noch zeitgemäß und zukunftsfähig, oder hat die ÖVP diesen Bereich längst aufgegeben und traut sich nur nicht, es seinen Wählern zu sagen? (Ähnlich wie bei der Neutralität.)
  • Wie sollten sich die Bauern bei der Landwirtschaftskammerwahl in Oberösterreich im Jänner 2027 verhalten?

Wie diese Fragen beantwortet wurden, wird bald bei RTV zu sehen sein. Folgen Sie RTV deshalb auf Telegram und YouTube. Hier finden Sie den Telegram-Kanal von Info-DIREKT: https://t.me/info_direkt

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